13. Mai 2021

Das Geschäft mit den Google-Bewertungen

Bewertungen sind im Internet für viele Nutzer ein Gradmesser für die Seriosität wie eines Angebotes oder eines Anbieters. Sie schaffen Vertrauen, denn wenn schon einige Hundert Käufer oder Gäste einen Händler oder ein Hotel mit fünf Sternen bewerten, kann man beim Kauf oder Buchung niemals falsch liegen. Eigentlich sollten Bewertungen Kundenfeedbacks sein, doch sind sie das auch wirklich? Es lohnt sich, etwas genauer hinzusehen.

Alles ist käuflich

Gibt man in Google den Suchbegriff „Internetbewertungen kaufen“ ein, stößt man sehr schnell auf Anbieter wie z.B. Goldstar, die schon in der Beschreibung ganz offen damit werben, wie einfach es ist, Bewertungen von „echten“ Menschen für die verschiedenen Portale zu kaufen, Preisliste inklusive. Schaut man sich die Seite von Goldstar an, bekommt man den Eindruck, es handle sich dabei um eine ganz legale Aktion. „17x mal sooft werden negative Bewertungen geschrieben und das obwohl mehr als 98% der Kunden zufrieden sind. Gute Bewertungen schriftlich zu bekommen ist nicht einfach und wer negatives Feedback nicht Ausgleicht verliert Kunden an den Wettbewerb“, so steht es auf der Internetseite von Goldstar (Stand Mai 2021). Es entsteht der Eindruck, dass es also durchwegs legitim sei, mit gekauften Bewertungen nachzuhelfen. „Wir dokumentieren und veröffentlichen das positive Feedback Ihrer Kunden, damit zukünftige Kunden Sie in einem realistischen Licht finden“, heißt es weiter auf der Seite. Mit zunehmender Lesedauer beschleicht einem das Gefühl, es mit einer Horde barmherziger Samariter zu tun zu haben.

Bewertungen schreiben als Zusatzverdienst

In einer Reportage des deutschen Magazins frontal 21 (ZDF) wurde zu dieser Thematik durch einen Goldstar-Mitarbeiter ein Blick hinter die Kulissen gewährt. Er bestätigte, dass sowohl Kundenrezessionen als auch Bewertungen, egal ob bei Google, Amazon oder sonstigen Portalen de facto wertlos sind, da sie zu tausenden gefälscht und gefaked sind. Die Kunden kommen dabei aus allen Bereichen – Anwälte, Autohäuser, Handwerker, und ganz schlimm – Ärzte. Alle machen mit.
Doch wer schreibt diese Bewertungen? Goldstar hat ein eigenes Portal zur Akquise von sogenannten „Produkttestern“ eingerichtet. Diese schreiben dann für Tester-Job eine 5-Sterne-Rezension und bekommen dafür eine Vergütung. Der Auftraggeber kann auf Wunsch die Texte bzw. Inhalte der Bewertungen sogar vorgeben. Es sind Studenten oder Privatpersonen, die sich damit ein kleines Zubrot verdienen.

Gekauftes Vertrauen im Onlinehandel

Ein Millionengeschäft ist der Onlinehandel. Manche Amazon-Händler steigern ihre Reputation mit massenhaft gekauften Bewertungen und erscheinen so in der Suche an den ersten Stellen. Dies ist natürlich Gold wert, denn wer in der ersten Reihe steht, verkauft natürlich auch mehr. Somit ist jede positive Bewertung Gold wert, denn Amazon-Sterne haben eine riesige Marktmacht. Laut Studien wird der Kauf von 2/3 der Käufer massiv von den Sternen beeinflusst.

Vorsicht ist immer dann geboten, wenn ein Unternehmen in einer relativ kurzen Zeit ziemlich viele Höchst-Bewertungen erhält und sich die positiven Statements in Länge und Aussage ziemlich ähneln. Dies kann auf gekaufte Bewertungen schließen, die über internationale, zwielichtige Firmengeflechte in Steuerparadiesen an der Grenze der Legalität operieren.
Käufer werden damit massiv getäuscht, um eine Kaufentscheidung zu fällen. Die Justiz nennt es Wettbewerbsverstoß, der Volksmund Betrug. Kunden wird nämlich vorgespielt, dass die Bewertungen von echten Kunden stammen. Experten zu Folge sind wohl rund die Hälfte der Bewertungen auf Google, Amazon und Facebook und anderen Bewertungsplattformen gefälscht. Darum lohnt es sich vor dem Kauf zweimal auf eine Bewertung zu schauen.

Weitere Fake-Modelle

So wie Goldstar gibt es abertausende Anbieter rund um den Globus. Vor allem bei Onlineshops ist ein weiteres „Geschäftsmodell“ verbreitet. Interessierte können ein Produkt bestellen und nach Beweis einer 5 Sterne Bewertung wird das Geld zurücküberwiesen. Das geschieht oft bei Produkten mit einem relativ niedrigen Kaufpreis, bei denen eine positive Bewertung einen größeren Wert für zukünftige Verkäufe darstellt als der Umsatz mit dem Produkt selbst. Hat das Unternehmen dann einige hundert positive Bewertungen erhalten, steigt das Vertrauen der Kunden und damit auch der Umsatz exponentiell.
Online-Giganten wie Amazon investieren Millionen für den Kampf gegen Fake-Bewertungen, aber er ist aussichtslos.
Ganz dreist ist ein Geschäftsmodell mit schlechten Bewertungen. Unternehmen erhalten dabei eine Fülle von an negativen Bewertungen. Danach wird diesem Unternehmen ein gefaktes Anwaltsschreiben geschickt, mit dem Angebot, für „kleines Geld“ die negativen Bewertungen zu löschen.

Wie gehe ich mit schlechten Bewertungen um?

Grundsätzlich sollte jede Bewertung vom Unternehmen kommentiert werden. Echte, positive Bewertungen fördern das Vertrauen und dafür ist ein Dank angebracht, denn mit diesem drückt man dem Kunden auch seine Wertschätzung aus. Negative Bewertungen sollen, sofern es sich um ungerechtfertigte Anschuldigungen handelt, mit Fakten entkräftet werden, um den Lesern der Bewertung einen wahrheitsgetreuen Blick auf die Sachlage zu geben. Wer Opfer einer bezahlten Negativ-Bewertungs-Kampagne wird ist gut beraten, diese nicht unkommentiert zu lassen und gegebenenfalls beim Portalbetreiber anzuzeigen. Der Versuch Gefälschte negative Bewertungen mit gefälschten positiven Bewertungen auszugleichen, dies wird über kurz oder lang nicht funktionieren.

Vorteilhaft ist es präventiv dafür zu sorgen, dass Unternehmen positive Bewertungen von echten Kunden sammeln. Der Bewertungsschnitt durch eine Vielzahl von positiven Bewertungen kann durch eine „Negativ-Attacke“ nämlich nicht so schnell gesenkt werden. Darum sollte dieser Punkt seinen Platz im Marketing eines jeden Unternehmens haben. Einen individuellen Weg, wie Sie am besten mit Bewertungen für ihr Unternehmen umsetzen zeigen wir Ihnen gerne!

Diesen Beitrag teilen:
lg md sm xs